Der mediale Hype um Chris­tine Thür­mer bleibt seit Jah­ren unge­bro­chen, in Talk­shows und Inter­views berich­tet sie wei­ter­hin sehr elo­quent und begeis­ternd über ihre welt­wei­ten Lang­stre­cken-Wan­de­run­gen und weiß durch ihre vie­len Live­shows inzwi­schen offen­sicht­lich genau, wie ein fes­seln­der Mix aus Infor­ma­tio­nen, Hin­ter­grün­den und eige­nen Erleb­nis­sen aus­zu­se­hen hat. Ihr Aus­druck ‘Fremde Kul­tur wan­dernd ent­de­cken’ bringt es im aktu­el­len Buch wahr­schein­lich auf den Punkt …

Beson­ders gefällt mir, dass sie nun auch den eige­nen Genuss (‘Zero-Days’ spon­tan in Onsen/Spas und Hotels ver­brin­gen, neu­gie­rige kuli­na­ri­sche Ent­de­ckun­gen machen) häu­fi­ger in den Fokus stellt, statt eher zwang­haft die Kilo­me­ter ‘run­ter­zu­rei­ßen’, wenn auch immer wie­der neben­bei das typi­sche buch­hal­te­ri­sche Ele­ment bei ihr durch­scheint, sich selbst alle Aus­ga­ben und Erspar­nisse genau­es­tens vor­rech­nen zu müssen.

Unterm Strich merkt man, dass der Autorin ihre inzwi­schen zahl­lo­sen Live­auf­tritte vor Publi­kum gut­ge­tan haben: sie ver­steht es gekonnt, im Plau­der­ton und trotz­dem lehr­reich und mit vie­len sach­li­chen Details die Leser­schaft über die Länge des Buches bei der Stange zu hal­ten. Frag­lich bleibt aller­dings, ob trotz der amü­san­ten und inter­es­san­ten Berichte über die beschrie­be­nen Rou­ten diese viel Anklang fin­den wer­den ange­sichts der gebün­del­ten geo­lo­gi­schen und kli­ma­ti­schen Her­aus­for­de­run­gen wie Erd­be­ben und Dau­er­re­gen in der Region sowie wag­hal­si­ger Stre­cken­ab­schnitte, ganz zu schwei­gen von eher pro­fa­nen Din­gen wie der täg­li­chen Zelt­platz­su­che oft in den Steil­hän­gen oder in ander­wei­tig schwie­ri­gem Gelände.

Obwohl Chris­tine Thür­mer in ihrem Erschei­nen sehr unei­tel wirkt und eine gute Por­tion Selbst­iro­nie und Humor mit­bringt, nervt mich mitt­ler­weile ein wenig, dass sie sich man­tra­ar­tig immer wie­der selbst als ‘meist­ge­wan­derte Frau der Welt’ — auch wenn es so ist — bezeich­net, dies soll­ten bes­ser andere für sie tun …

Davon abge­se­hen wer­den die Bücher von Chris­tine Thür­mer — alle im Übri­gen ja Spie­gel-Best­sel­ler — im bes­ten Sinne immer ‘les­ba­rer’ und erschei­nen mir in der Zusam­men­stel­lung nicht mehr nur als holp­rige tage­buch­ar­tige Anein­an­der­rei­hung von über­am­bi­tio­nier­ten Ein­zel­ak­tio­nen, so zumin­dest noch mein Ein­druck bei den ers­ten bei­den Wer­ken. Schon alleine aus die­sem Grund kann ich die span­nende Lek­türe, ob für Spa­zier­gän­ger, ambi­tio­nierte Sonn­tags­wan­de­rer oder echte Thru-Hiker, auch wenn sie selbst nie­mals in Ost­asien zu Fuß unter­wegs sein wer­den, sehr empfehlen.

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