In diesem Monat stelle ich einen gerade frisch erschienenen regionalen Wanderführer vor, der von den ‘Hauptstadtwanderern’ Jörg Krauthöfer und seiner Frau Nicole verfasst wurde. Die beiden hatten schon seit einem Jahr eine regelmäßige Kolumne mit Wandertipps unter diesem Namen bei der Berliner Morgenpost, nun ist ein Buch entstanden, das zwölf ausgewählte Touren zusammenfasst und ausführlich beschreibt.
Das Besondere an den Wanderempfehlungen: sie sind jeweils mit einer lokalen Sage verknüpft, die im Begleittext ausführlich erzählt wird. Wie ich finde ein wirklich schöner und neuer ‘märchenhafter’ Ansatz!
Die Sammlung von Streckentipps ist trotz der tendenziellen ‘Nordlastigkeit’ der Selektion gut ausgewogen und auf hohem Attraktivitätslevel, auch wenn sich für regional erfahrene Wanderer nicht wirklich Geheimtipps darunter befinden. Neben den hinlänglich bekannten Berliner Arealen um Köpenicker Forst und Grunewald geht es zu Schloss Dammsmühle, zum Kloster Chorin, zur Boltenmühle und nach Boitzenburg. Der Grumsin und die Märkische Schweiz ergänzen das ‘Wanderpaket’ und auch die Höhen um Bad Freienwalde und der Stechlinsee dürfen selbstverständlich nicht fehlen. Als ‘Exot’ mutet im Vergleich dazu aber der ausgewählte urbane Abschnitt des Jakobswegs auf der Via Imperii quer durchs Berliner Zentrum an.
Die einzelnen Touren sind inhaltlich bestens und in der Länge wohldosiert beschrieben, es gibt jeweils dazu passende Exkurse oder Hinweise auf Besonderheiten entlang des Weges. Hinzu kommen vereinheitlichte kurze Infotafeln und die abstrahierten Kartendarstellungen fallen erstaunlich großformatig aus. Viele sehr gute Fotos wecken den Wanderappetit und machen Lust aufs Erkunden. Der Hinweis auf den üblichen GPX-Trackdownload findet sich etwas versteckt ganz am Ende des Werks.
Unterm Strich wirkt das Buch auf mich wie eine Art ‘Best of’ zum Wandern in Berlin und dem nördlichen Brandenburg und ist sicherlich eine Top-Empfehlung für Wanderneulinge, die sich auf die Filetstücke konzentrieren möchten, hier fehlt eigentlich nur das Briesetal, das ich persönlich an die etwas unmotiviert zusammengestellte und sehr kurze Dammsmühle-Tour pragmatisch angehangen hätte.
Für Wanderer, die sich bereits gut auskennen, fehlen bedauerlicherweise Überraschungen zur Erweiterung des Wanderhorizonts, es bleiben so aber zumindest die Präsentation auf Top-Niveau und die interessante und einzigartige Verknüpfung zu den Sagen im Inhalt.
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