… trübes Spätdezembergrau, also schnell am Morgen eine ‘Experimentaltour’ rausgekramt, die vermeintlich interessant, aber eher nicht attraktiv sein würde. Diesmal ging es für mich ins Zentrum des Landkreises Teltow-Fläming, das eigentlich wenige Wanderhighlights bietet, aber das war bei dieser Strecke auch nicht der primäre Fokus.
In erster Linie angelockt hatte mich der Weg auf der ehemaligen Bahntrasse zwischen Thyrow und dem großen Umspannwerk bei Nunsdorf. Hier wurde direkt nebenan noch zu DDR-Zeiten kurz vor der Wende ein komplett autarkes Gasturbinenkraftwerk gebaut, das permanent über die Jahrzehnte seitdem gepflegt und getestet wurde und das in der heutigen Zeit wieder relevanter ist als vielleicht je zuvor. Es handelt sich dabei um ein Reservekraftwerk für den Netzwiederaufbau im ‘Schwarzwerdefall’ (Blackout durch Fehler / Unfall / Sabotage / Zerstörung in der überregionalen Energie-Infrastruktur). Es agiert dann wie ein riesiges Notstromaggregat, ist innerhalb von 7 Minuten hochgefahren und hat ‘Saft’ aus eigener Gasreserve für bis zu 6 Stunden. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Gasturbinenkraftwerk_Thyrow)
Nach dem ganz schönen, leider im letzten Teil parallel zur Landstraße bis zum Umspannwerk bereits halbwegs zugewachsenen Trassenweg, folgte ich einem ‘Patchwork’ aus mehreren regionalen Wanderwegen über die kleinen Anhöhen des Nunsdorfer Bergs und des Zuckerbergs hinweg mit weiten Blicken in die Landschaft und möglichst unter Umgehung der Dörfer. So ergab sich eine relativ schöne und einsame Wanderroute bis nach Nächst Neuendorf, dort nutzte ich alternativlos den Weg an der Bundesstraße durch den Ort und anschließend die Betonplattenweg-Straße zum Ziel in Dabendorf.
Eine ganze Weile folgte ich im Mittelteil auch dem ‘5‑Kirchen-Rundweg’, der mir gar nicht so schlecht gefiel. Die Blicke auf den Horstfelder Kiessee ergaben sich leider alle aus Positionen im ‘Graubereich’ des Erlaubten. Unterm Strich wahrscheinlich keine Genusswanderung, aber aus meiner Sicht auf jeden Fall mangels Alternativen eine Empfehlung für die sehr gut per Bahn erreichbare Gegend etwas weiter nördlich des E10-Fernwanderwegs und des 66-Seen-Wegs.
Zur musikalischen Untermalung aus dem Album ‘The Power Out’ der von mir sehr verehrten Avantgarde-Popband Electrelane der Song ‘On Parade’:
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Infos und Tourbeschreibung:
Diese Tour startet am Bahnhof in Thyrow, zunächst geht es nördlich an den Gleisen entlang auf der Piste der Ladestraße bis zum Wiesengrund, ab dort wird dann die ehemalige Trasse der Bahnstrecke nach Nunsdorf genutzt, die nach Überquerung des Großbeerener Grabens und der Landstraße sehr naturnah aber gut begehbar pfadartig bis nach Wilmersdorf und um den Ort herum führt. Knapp einen Kilometer weit bis zum Umspannwerk ist der Trassenweg dann leicht zugewachsen, lässt sich aber abseits der Vegetationsperiode noch gut nutzen.
An der Zufahrt zum Umspannwerk wird entgegengesetzt abgezweigt in den Wald hinein, am Ende des kleinen Waldstücks geht es auf dem Wiesenweg zu einem weiter östlich gelegenen Feldweg, dem hinauf zum Gipfel des Nunsdorfer Bergs gefolgt wird. Um die Erhebung herum führt der Weg mit mehreren Richtungswechseln wieder hinab, im ‘Zickzack’ geht es auf das Dorf Werben zu und um die Siedlung herum zur Potsdamer Straße. Dem langen Feld- und Waldweg wird nun über fünf Kilometer weit gefolgt geradeaus nach Südosten, eine Weile in Form einer alten Baumallee zum Zuckerberg, später im dichten Kiefernforst direkt am Horstfelder Kiessee entlang.
Auf die Bundesstraße wird am Ausgang von Horstfelde getroffen und der straßenbegleitende Radweg genutzt nach Nächst Neuendorf hinein. Im Ort wird in die Friedhofstraße abgezweigt, die als alte Betonplattenstraße über die Anhöhe hinweg zum Sportforum am Rand von Dabendorf führt. An den Sportanlagen entlang, über die Pfade in den Wiesen zum Amselsteig und abschließend über den Erlenring wird das Ziel der Tour am Bahnhof in Dabendorf erreicht.
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