… heute habe ich wie­der eine ‘Expe­ri­men­tal­tour’ im Spree­wald absol­viert bei fah­lem Son­nen­licht, dies­mal am süd­west­li­chen Rand der Region. Bei mei­nen Pla­nun­gen zuletzt zu einer beson­ders schö­nen neuen Route um Lüb­benau fiel mir auf, dass ich ja auch mal statt im tou­ris­tisch bes­tens erschlos­se­nen öst­li­chen Teil des belieb­ten Städt­chens den Süd­wes­ten erkun­den könnte, in dem sich einst das Braun­kohle-Tage­bau­ge­biet ‘Seese Ost’ befand. Sehr spät erst Mitte der 1980er Jahre erschlos­sen, wurde hier bis 1996 das ‘braune Gold’ geför­dert und den bei­den Kraft­wer­ken in Lüb­benau und Vet­schau zur Ver­stro­mung zugeführt.

Meh­rere kleine Ort­schaf­ten wur­den deva­stiert, das Dorf Groß Lüb­benau blieb teil­weise erhal­ten. Die am Rande des Tage­baus gele­ge­nen Über­bleib­sel der his­to­ri­schen Sla­wen­burg Rad­dusch wur­den nach Ende des Koh­le­ab­baus kon­ser­viert und die Fes­tungs­an­lage auf­wen­dig ori­gi­nal­ge­treu zur Jahr­tau­send­wende nach­ge­baut. Heute sind die bei­den gro­ßen ‘Rest­lö­cher’ längst geflu­tet, der neu ent­stan­dene Bisch­dor­fer See liegt im ‘Dorn­rös­chen­schlaf’ und war­tet wie zahl­rei­che andere sei­ner Art auf die tou­ris­ti­sche Erschließung.

Wie bereits in vie­len ande­ren Gegen­den der Berg­bau­fol­ge­land­schaft der Nie­der­lau­sitz fiel mir auch hier wie­der auf, wie inkon­sis­tent und unlo­gisch die Sanie­rungs- und Nach­nut­zungs­ak­ti­vi­tä­ten wir­ken. Im Fall des Bisch­dor­fer Sees gibt es nord­öst­lich davon einen extra ange­leg­ten Gedenk­ort mit Aus­sichts­punkt, Rast­platz und Stein­kreis, die asphal­tier­ten Zugänge lie­gen aller­dings wie­der(?) im Sperr­ge­biet. Mich würde inter­es­sie­ren, wie die Per­spek­ti­ven aus­se­hen, nach­dem sich mit der groß­an­ge­leg­ten Aus­stel­lung ‘IBA Fürst-Pück­ler-Land’ (2000–2010) die Akti­vi­tä­ten vor­der­grün­dig Rich­tung Zukunft beweg­ten und inzwi­schen wie­der gestoppt bzw. ‘zurück­ge­ru­dert’ wurde nach einem beun­ru­hi­gen­den Grund­bruch-Vor­fall im Tage­bau Spree­tal im Okto­ber 2011 …

Lei­der ist also seit knapp 15 Jah­ren nicht mehr viel pas­siert und die seit­dem ‘tem­po­rä­ren’ Sperr­be­rei­che dau­ern an.
Aktu­elle Infor­ma­tio­nen mit inter­ak­ti­ver Karte fin­den sich hier: https://www.lmbv.de/bergbaufolgen/bergschaeden-sperrungen/sperrbereiche-lausitz/

Wie die per­fekte zugäng­li­che Prä­sen­ta­tion der unsa­nier­ten Berg­bau­fol­ge­land­schaft funk­tio­nie­ren kann, zeigt ja ein­drucks­voll die ‘Dawna Kopal­nia Babina’ mit dem geo­tou­ris­ti­schen Pfad gleich hin­ter der pol­ni­schen Grenze.

Bei der heu­ti­gen Tour musste ich mich ein paar­mal über die Kenn­zeich­nung der Sperr­ge­biete hin­weg­set­zen, um über­haupt freie Bli­cke auf die bei­den Seen zu erha­schen. Um das nörd­li­che Ende des Bisch­dor­fer Sees herum nach Groß Lüb­benau habe ich die eigent­lich kom­plett im Sperr­ge­biet befind­li­che Asphalt­piste (den geplan­ten / wie­der gesperr­ten Rad­weg?) zum Erin­ne­rungs­ort genutzt. Von daher natür­lich KEINE Emp­feh­lung von mir zum Nach­wan­dern in der Form!

Zum Thema OSM an der Stelle: die Sper­run­gen im Kar­ten­ma­te­rial ent­spre­chen tat­säch­lich fast zu 100% den Gege­ben­hei­ten vor Ort, was mich sehr freut. Ande­rer­seits irri­tiert doch sehr die Kenn­zeich­nung des gro­ßen Sand­stran­des bei komoot: hier inter­pre­tiert komoot anschei­nend die OSM-Daten falsch! Vor Ort dürfte man sich tat­säch­lich an den Strand legen, nur das Betre­ten des direk­ten Ufer­be­reichs sowie der Was­ser­flä­che wäre verboten ;-)

Was soll das jetzt mit der ‘23’ im Titel? Ganz ein­fach: der Bisch­dor­fer See ist offi­zi­ell das ‘Tage­bau-Rest­loch Nr. 23’, die augen­zwin­kernde Anspie­lung auf den — sehr guten — Film mit sei­nen Ver­schwö­rungs­theo­rien erklärt sich hof­fent­lich von selbst.

Übri­gens: ich hatte kurz über­legt, die Sla­wen­burg Rad­dusch wäh­rend der Tour zu besu­chen, aber ich war bereits ein­mal drin (https://www.komoot.com/de-de/tour/30035092) und die mitt­ler­weile 13 Euro Ein­tritt waren mir vom Preis-Leis­tungs-Ver­hält­nis her für zwei oder drei Fotos dann zu happig. 

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Infos und Tourbeschreibung:

Dies ist eine Rund­tour, die am Bahn­hal­te­punkt in Rad­dusch beginnt und endet. Zunächst wird der Bahn­hof­straße gefolgt in süd­west­li­cher Rich­tung, nach Über­que­rung der Land­straße und Unter­que­rung der Auto­bahn geht es an der Zie­ge­lei­sied­lung vor­bei und ein — vor­sich­ti­ger! — Blick aus der Ent­fer­nung am Rast­platz auf den Kahns­dor­fer See ist mög­lich. Nun wird der aktu­ell ganz neu ent­stan­dene Rad­weg genutzt zur Sla­wen­burg Rad­dusch, danach wird abge­zweigt auf den bereits exis­tie­ren­den asphal­tier­ten Rad­weg um den Bisch­dor­fer See. Ein mög­li­cher, tem­po­rär gesperr­ter Aus­sichts­punkt am Hoch­ufer wird igno­riert und nach einem Kilo­me­ter auf einen fein geschot­ter­ten Weg getrof­fen, dem von dort ab gefolgt wird. 

Durch neu ent­stan­dene lockere Kie­fern­ve­ge­ta­tion führt der Weg durch die Suk­zes­si­ons­flä­che in Ufer­nähe, nach knapp drei Kilo­me­tern ergibt sich die Mög­lich­keit, am gro­ßen Strand näher ans Gewäs­ser (Schil­der beach­ten!) her­an­zu­kom­men. Nach der Rück­kehr zum Asphalt­weg oben am Hang geht es wei­tere zwei Kilo­me­ter auf die­sem par­al­lel zum See­ufer durch dichte Vege­ta­tion in nörd­li­cher Rich­tung. ANMERKUNG: Ab einer mar­kan­ten Kreu­zung ist der eigent­lich aus­ge­ar­bei­tete Rund­weg bis auf Höhe von Groß Lüb­benau tem­po­rär gesperrt, offi­zi­ell ist der Rad­weg ent­lang der Land­straße zu nut­zen und das Dorf kom­plett zu durchqueren.

Nach der Durch­que­rung von Groß Lüb­benau wird wie­der die Auto­bahn unter­quert und die Land­straße über­quert, über die Neben­straße geht es zum Wald­bad Boblitz und um des­sen Areal herum, anschlie­ßend dem Rad­weg fol­gend zur Auto­bahn­un­ter­füh­rung wei­ter süd­öst­lich. Der ein­sa­men Asphalt­piste wird gefolgt in der Nähe des Kahns­dor­fer Sees — lei­der fast ohne Blick­kon­takt zum Gewäs­ser — bis zur Rad­du­scher Zie­ge­lei und der Rück­weg zum Aus­gangs­punkt am Bahn­hal­te­punkt Rad­dusch erfolgt von dort genau wie beim Hinweg.