… mal wie­der so ein Tag, an dem die eigent­lich geplante Tour (-> Mär­ki­sche Schweiz) wegen eines kurz­fris­ti­gen Zug­aus­falls auf der ‘Ost­bahn’ nicht funk­tio­nierte. Inzwi­schen habe ich natür­lich in jeder Him­mels­rich­tung von Ber­lin aus Ersatz­wand­e­run­gen ange­dacht, die schnell und pro­blem­los in sol­chen Situa­tio­nen zum Ein­satz kom­men kön­nen. So wurde es heute diese Runde um den Sti­enitz­see, die bereits län­ger in mei­ner ‘Short­list’ für diese Art von Gele­gen­heit schlummerte. 

Keine Angst, ich fange jetzt nicht auch noch mit dem Seen-Her­aus­for­de­rungs-Tour­ette und der Mur­mel-Eso­te­rik zur Beloh­nung an ;-)

Das West­ufer des Sti­enitz­sees sollte natür­lich allen flei­ßi­gen Wan­de­rern im Raum Ber­lin ein Begriff sein, der Pfad dort ist größ­ten­teils wun­der­schön und ja auch Teil des mar­kier­ten 66-Seen-Wegs. Mich inter­es­sierte nun aber spe­zi­ell das öst­li­che Ufer, das Anfang des 20. Jahr­hun­derts schnell indus­tri­ell erschlos­sen wurde und an dem sich (zusätz­lich zu den bereits zu der Zeit vor­han­de­nen gro­ßen Zie­ge­leien) eine Zement- sowie eine Kalk­sand­stein­fa­brik neben diver­sen Labor- und For­schungs­ein­rich­tun­gen eta­blier­ten. So wurde ver­se­hent­lich dort bei Expe­ri­men­ten mit einem unter Was­ser gezün­de­ten Spreng­stoff eine koh­len­säu­re­hal­tige Quelle frei­ge­legt und der ‘Rüders­dor­fer Spru­del’ ent­stand und wurde vermarktet.

Heute sind die Zie­ge­lei­öfen und die meis­ten Indus­trie­bau­ten längst ver­schwun­den, das alte Elek­tri­zi­täts­werk mit monu­men­ta­lem Turm steht noch, ebenso sind der reno­vierte Mar­stall und die Meis­ter­häu­ser sehens­wert. Es gab ein paar eher öde Abschnitte durch Wurf­putz-DDR-Dat­schen­an­la­gen mit viel Patina und durch schnör­kel­los-hoch­wer­tige Neu­bau­ge­biete für Bes­ser­ver­die­ner, aktu­ell wer­den wei­tere Bra­chen erschlos­sen. Lei­der konnte man die frei zugäng­li­chen Punkte am See­ufer an den Fin­gern einer Hand abzäh­len, dafür über­raschte mich beson­ders ein tol­ler Wald­weg zwi­schen dem Mar­stall und der Alten Zie­ge­lei, der nicht im Kar­ten­ma­te­rial ver­zeich­net ist.

Auch den letz­ten Teil der Tour (halb­wegs durch­gän­gig mar­kiert als loka­ler Wan­der­weg ‘4’) nach Ver­las­sen des Sees mit hohem Wald­an­teil kannte ich noch nicht und er passte per­fekt, um die Runde zu schlie­ßen. Ins­ge­samt eine Stre­cke, die in der Form durch­aus Spaß machte, die ich aber eher mit dem Adjek­tiv ‘inter­es­sant’ kate­go­ri­sie­ren würde und die dies­mal per­fekt als ‘Lücken­bü­ßer’ passte ;-)

Zusätz­lich habe ich mich neben­bei nun auch per­sön­lich davon über­zeugt, dass für die kom­mende Staf­fel­wan­de­rung auf dem 66-Seen-Weg die Dauer-Über­schwem­mung im Anna­tal kein Pro­blem darstellt …

Hier inter­es­sante Infos im Detail zu Indus­trie und Kul­tur rund um Rüders­dorf: https://www.ruedersdorf.de/freizeit-tourismus/ruedersdorf-erleben/historische-rundgaenge/

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Infos und Tourbeschreibung:

Dies ist eine Rund­tour, die am Bahn­hof der Straus­ber­ger Vor­stadt beginnt und endet. Zunächst geht es über die Bahn­hof­straße nach Osten und nach Über­que­rung des Bahn­über­gangs hinab ins Anna­tal. Das auf­ge­staute Fließ wird auf dem tem­po­rä­ren Pfad umgan­gen, dann führt der Weg par­al­lel zum Anna­f­ließ oben im Wald bis zum Mühl­teich. Nach dem Abstieg zum Ufer geht es unten wei­ter zur Über­que­rung der Hen­ni­cken­dor­fer Chaus­see, anschlie­ßend par­al­lel zu ihr auf dem beglei­ten­den Pfad bis zur Sied­lung Torfhaus.

Dem Wald­weg wird gefolgt zum Ufer des Sti­enitz­sees, bevor es auf dem schö­nen Boh­len­weg gewäs­ser­nah nach Hen­ni­cken­dorf geht. Der Ring­straße wird gefolgt zur Sport­an­lage und diese am See pas­siert, im gro­ßen Schlen­ker führt der Weg dann um zwei Stich­ka­näle herum zum Fischer­weg. Durch eine Dat­schen­an­lage, danach ent­lang des neu­ge­bau­ten Wohn­parks führt der Weg zu den Meis­ter­häu­sern, hier ist noch­mals ein klei­ner Exkurs im Wald in Nähe des Strand­bads möglich.

Nun geht es eine ganze Weile alter­na­tiv­los an der Ber­li­ner Straße ent­lang, wobei zahl­rei­che his­to­ri­sche Bau­ten mit Info­ta­feln pas­siert wer­den. Nach dem Mar­stall wird in den Wald abge­zweigt und dem schö­nen Wan­der­weg gefolgt (teil­weise nicht im Kar­ten­ma­te­rial), der spä­ter beglei­tet von Vieh­wei­den um die Alte Zie­ge­lei herum zurück zur Haupt­straße führt. Das Rüders­dor­fer Müh­len­fließ wird auf der Brü­cke über­quert auf dem Weg nach Tas­dorf, wo gleich am Orts­ein­gang wie­der abge­bo­gen wird auf den Schot­ter­weg nach Nord­os­ten. Von hier an wird dem mar­kier­ten 66-Seen-Weg gefolgt, der sich natur­nah und abwechs­lungs­reich bis zu den ergie­bi­gen Sti­enitz­quel­len hin­zieht. Der Weg wird brei­ter und einige Ufer­grund­stü­cke wer­den pas­siert, dann der abkni­cken­den Sand­piste gefolgt zur Land­straße und noch ein Stück über sie hinweg.

Auf dem Wald­weg geht es nörd­lich in Rich­tung Eggers­dorf, beim Auf­tref­fen auf die Sied­lung wird diese im Bogen auf dem Weg an einem fast aus­ge­trock­ne­ten Was­ser­gra­ben ent­lang umgan­gen zum Bahn­über­gang hin. Nach des­sen Über­que­rung führt der Weg an der Bahn­trasse ent­lang zu einem gro­ßen Wie­sen­areal und an des­sen Rand zur Eggers­dor­fer Bahn­hof­straße. Im Zick­zack durch die ruhi­gen Stra­ßen der Sied­lung geht es zur Wald­straße und auf die­ser süd­öst­lich durch das kleine Wald­stück. Nach Errei­chen der Plat­ten­bau­sied­lung am Förs­t­erweg geht es abschlie­ßend an der Bahn­hof­straße ent­lang bis zum Bahn­hof der Straus­ber­ger Vor­stadt, an dem sich der Kreis schließt.