… gleich die nächste Etappe meines Oderprojekts habe ich heute absolviert bei perfektem Wanderwetter, anfangs war es sogar noch leicht neblig im Odertal. Diesmal ging es auf den Deichen rund um die beiden großen Polder (Polder A/B) östlich von Schwedt, dabei waren knapp 20 Kilometer am Stück(!) auf alten Betonplattenwegen zu bewältigen, der Rest der Strecke bestand aus asphaltierten Radwegen.
Ich war leider ziemlich enttäuscht davon, wie sich die in diesem Bereich stark kanalisiert wirkende Oder ganz ohne Buhnen präsentierte. Auch von den Altarmen, Tümpeln und Wasserläufen in den Poldern hatte ich mir mehr versprochen, vom Deich aus sah man jetzt nach dem Sommer fast nur riesige Schilfflächen. Ich hatte mich ja bewusst für den Wirtschaftsweg ganz außen am Rand entschieden, die meisten Alternativrouten — speziell im Polder B — wären aktuell aber auch gar nicht begehbar gewesen durch die üppige Vegetation.
Spannend waren daher eher die zahlreichen Ein- und Auslaufbauwerke, die jährlich von Mitte November bis Mitte April dafür sorgen, dass die Polder kontrolliert geflutet werden können. Außerdem fand ich beeindruckend, zu Fuß die gewaltigen Dimensionen der Polderlandschaft zu erwandern, und dabei fehlt sogar noch gut ein Drittel, das Teil der nächsten Etappe sein wird.
Ich war auch auf die eine oder andere ‘Frank-Furt’ eingestellt, alle Wege ließen sich aber bestens trockenen Fußes begehen. Einen fetten Showkiller gab es allerdings dennoch: das Auslaufbauwerk Wrech mitten im Außenbereich des Polders B wird zwischen März 2021 und September 2024 neu gebaut. Dazu hatte ich keine Information und auch im OSM-Kartenmaterial lässt sich die Route problemlos darüber planen. Vor Ort gab es einige Kilometer vor der Baustelle bereits ein Schild mit dem Sackgassenhinweis für Radfahrer. In meinem Optimismus ignorierte ich den Hinweis und musste direkt an der Baustelle feststellen, dass auch für Fußgänger kein Durchgang erlaubt ist. Ich dachte mir: nett die Bauarbeiter wegen einer einmaligen Ausnahme fragen wird schon klappen … es war aber kein Mensch zu sehen, alles verwaist. Also habe ich den — übrigens perfekt gesicherten Weg — durch die Baustelle genutzt. Das Fazit ist hoffentlich an der Stelle klar: bitte nicht nachmachen oder aber vorab online bzw. vor Ort nachfragen …
Das eigentliche Problem liegt für mich darin, dass das Landesamt für Umweltschutz Brandenburg zwar in der Lage ist, Schilder aufzustellen, aber es offensichtlich im 3. Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts noch nicht hinbekommt, parallel dazu temporäre Wegsperrungen in OSM selbst einzutragen bzw. eintragen zu lassen. Ich werde ganz bewusst die Korrektur in OSM nicht selbst vornehmen, dieses Negativ-Beispiel aber sehr gerne im OSM-Workshop Ende September präsentieren.
Sehr schön bei der Etappe finde ich übrigens die ‘architektonische Klammer’: das Ensemble Schloss / Dorfkirche in Criewen ganz zu Beginn und das Berlischky-Pavillon in Schwedt ganz am Ende.
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Infos und Tourbeschreibung:
Diese Etappe startet an der Bushaltestelle am Nationalparkzentrum in Criewen, nach einem kurzen Abstecher in den Park mit dem Schloss und der Dorfkirche wird zunächst nach Überquerung der Alten Oder dem Radweg auf dem hohen Deich gefolgt, dann nach eineinhalb Kilometern auf den Plattenweg hinab abgezweigt und der Polder A durchquert zur Oder hin. Nun geht es sehr lange auf den Betonplatten mit meist etwa zweihundert Metern Abstand am Ufer entlang, auf Höhe von Zatoń Dolna wird nach fünf Kilometern eins der markanten Einlaufbauwerke überquert.
Eine Weile später wird die Oderbrücke bei Krajnik Dolny unterquert und dem Plattenweg nun auf dem Polder B gefolgt. (ANMERKUNG: der weitere Verlauf ist offiziell um die Nordspitze des Polders herum und zur Schleuse Schwedt erst wieder ab Sept. 2024 wegen einer Baustelle passierbar!) Nach weiteren fünf Kilometern wird der Beobachtungsturm am Wrechstrom passiert und kurz danach das nördliche Ende des Polders erreicht.
Nun führt der Weg über mehrere Auslaufbauwerke am Gewässerverlauf der ‘Schwedter Querfahrt’ entlang und bis zur Schleuse Schwedt, danach auf dem Deich bis zur Stadtbrücke. Nach der Überquerung der Brücke geht es hinab zur Promenade und am Ufer entlang durch den Hugenottenpark, dann im Bogen um das imposante Theatergebäude herum. Der Lindenallee wird gefolgt zum Berlischky-Pavillon und über die Bahnhofstraße wird abschließend das Ende der Tour am Bahnhof Schwedt erreicht.
Lieber Frank,
so allmählich gehen Dir die Flüsse aus — doch ich bin sicher, dass Du schon ausreichend neue Ideen für “Hangelschnüre” in der Schublade hast (ich sage nur Findlinge). Es ist spannend, die Langzeit-Touren zu verfolgen, und birgt natürlich immer wieder dankenswerte Anregungen und Hinweise. Bei der Stelle am Wrech-Einlass ging es uns vorletzten Winter übrigens genauso … (doch aus beiden Richtungen gab es recht regen Besucherverkehr zu Fuß und Rad).
Herzlich grüßt Gregor
Vielen Dank, Gregor!
Jetzt bin ich fast durch mit dem Wanderprojekt ‘Die Oder als Grenzfluss’ und trotz geschätzten 98% Betonplatten und Asphalt unter den Füßen war es eine interessante und schöne Erfahrung. Natürlich polarisiert so eine Streckenselektion enorm und ich kann eigentlich keine Etappe so wirklich zum Nachwandern empfehlen, dennoch gehört die Oder neben der Spree und der Havel und auch den kleinen Abschnitten der Elbe (komplettiere ich wohl nächstes Jahr) zu den Lebensadern, die es in Brandenburg zu bewandern lohnt. Danach wartet dann auch noch die Neiße in Richtung Süden auf mich, zumindest bis zum Dreiländereck.