Eher zufäl­lig war mir die­ses Buch, das bereits vor fünf­zehn Jah­ren erschie­nen ist, über diverse Emp­feh­lun­gen in die Hände gefallen.

Der Begriff ‘Kunst’ im Titel in die­sem Kon­text erschien mir zunächst sehr weit her­ge­holt und ich war als ein­ge­fleisch­ter Genuss­wan­de­rer sehr gespannt dar­auf, was mich erwar­ten würde.

Ich wurde defi­ni­tiv nicht ent­täuscht: die­ses Buch ver­bin­det in wun­der­ba­rer Weise zwölf sehr gut beschrie­bene Wan­der­tou­ren in den unter­schied­lichs­ten Regio­nen und Land­schafts­for­men in Deutsch­land und dar­über hin­aus jeweils den aus­ge­ar­bei­te­ten Bezug zu einer ganz kon­kre­ten oder eher theo­re­ti­schen Begrifflichkeit.

Das beginnt bei der Beschrei­bung der rich­ti­gen Aus­rüs­tung am Bei­spiel des Schnee­schuh­wan­derns im Böh­mer­wald, der Autor bezieht sich zudem etwa auf kul­tu­rell unter­schied­li­che Denk­an­sätze wie die ‘Traum­pfade’ der Abori­gi­nes und die ‘Poe­sie des Ortes’ im Fer­nen Osten am Bei­spiel einer ‘Bil­der­buch­wan­de­rung’ am Mit­tel­rhein oder er beschäf­tigt sich mit der Gaia-Hypo­these, die die Erde als kom­ple­xes Lebe­we­sen betrach­tet, bei Wan­de­run­gen in der badi­schen Hei­mat des Phi­lo­so­phen Heid­eg­ger. Aus­führ­lich wird das Kunst­ver­ständ­nis von Joseph Beuys ein­ge­floch­ten in eine Wan­de­rung ent­lang der Düs­sel und durchs Nean­der­thal zum Rhein und bis hin zur Kunst­samm­lung NRW mit des­sen Werk ‘Palazzo regale’ — urba­nes Wan­dern, so wie ich es mir idea­ler­weise vorstelle. 

Auch natur­wis­sen­schaft­li­che Betrach­tun­gen zu den Ele­men­ten Was­ser, Luft und Licht, zur Psy­cho­lo­gie, zur Eth­no­lo­gie und zur Kul­tur­anthro­po­lo­gie flie­ßen jeweils im Zusam­men­hang mit ein­zel­nen detail­liert beschrie­be­nen Wan­de­run­gen ein.

Die the­ma­ti­sche Viel­falt ist wirk­lich enorm und viele Zusam­men­hänge hatte ich vor­her in Bezug aufs Wan­dern so nicht erwar­tet. Es ist sicher­lich kein Buch, das man ein­fach mal so ‘zwi­schen Tür und Angel’ kon­su­mie­ren sollte. Dafür emp­fehle ich eher ‘Das neue Wan­dern’ von Manuel Andrack, das mich bei ähn­li­chem Kon­text zwar bes­tens unter­hal­ten hat, bei dem ich aber oft die Ernst­haf­tig­keit und den nöti­gen intel­lek­tu­el­len Tief­gang vermisste.

Das Buch von Ulrich Gro­ber hin­ge­gen hat mir zahl­rei­che wis­sen­schaft­li­che Fak­ten näher­ge­bracht, mich an vie­len Stel­len zum per­sön­li­chen ‘Gegen­check’ ani­miert und mich oft zum ein­drück­li­chen Nach­den­ken über meine eige­nen Sicht­wei­sen und Stand­punkte angeregt.

Es gibt sehr viele schöne, zitier­fä­hige Sätze in dem Buch. Die­ser kurze, eher banale Spruch bringt es für mich aber auf den Punkt: “Mit ‘Lebens­kunst’ hat jede Art von Wan­dern zu tun.”

Zum Buch beim rowohlt-Verlag