… am heu­ti­gen Tag war es mal wie­der eine cine­as­ti­sche Dreh­ort-Tour, die ich mir vor­ge­nom­men hatte in der zen­tra­len Ucker­mark bei meist strah­len­dem Son­nen­schein. Als Vor­be­rei­tung dazu hatte ich mir den letz­ten Film ‘Miro­irs No.3’ von Chris­tian Pet­zold noch ein­mal inten­siv ange­se­hen, um die bei­den Haupt­schau­plätze der Hand­lung mög­lichst exakt loka­li­sie­ren zu kön­nen. Das Wohn­haus war unschwer aus­zu­ma­chen am Orts­aus­gang von Her­ren­stein, die Werk­statt als zwei­ten wich­ti­gen Ort des Films ent­deckte ich eher zufäl­lig in der Nähe des Schlos­ses in Petznick.

Schon ein tol­les Gefühl, dem fil­mi­schen Gesche­hen so nahe zu sein und so auch noch ein­mal in das Werk ein­zu­tau­chen. Obwohl das Film­thema im Fokus stand, beein­druck­ten mich nach lan­ger Zeit mal wie­der die ‘cine­ma­s­co­pi­schen’ Bli­cke, die sich beim Wan­dern im ers­ten Teil von weit oben in die gebiets­ty­pi­schen sanft-lang­wel­li­gen eis­zeit­li­chen Hügel­for­ma­tio­nen ergaben.

Inso­fern eine Top-Tour, die mir sehr deut­lich klar machte, dass ich die Ucker­mark in die­ser Region als Wan­der­re­vier sträf­lich ver­nach­läs­sigt habe in den letz­ten Jah­ren. Man merkt auf jeden Fall, dass die Dör­fer ent­lang der Route nach wie vor sol­vente Ber­li­ner anlo­cken, die dort ein altes Häus­chen kau­fen und es wie­der her­aus­put­zen. Nicht umsonst wird die Gegend gerne spa­ßes­hal­ber als ’13. Ber­li­ner Bezirk’ oder ‘die Ber­li­ner Hamp­tons’ bezeichnet.

Somit habe ich nun die letz­ten drei Pet­zold-Filme mit einer Dreh­ort­tour bedacht, für mich als rie­si­ger Fan des Regis­seurs eine schöne Form der Ehr­erbie­tung. ‘Miro­irs No.3’ fand ich anfangs etwas flach und vor­her­seh­bar, wie immer ste­cken bei Pet­zold auch hier aber viele Ebe­nen von Meta­phern, Zita­ten und Sinn­bil­dern im Schaf­fen, die sich erst bei genauer Betrach­tung oder durch Hin­weise in den Inter­views des prä­mier­ten Fil­me­ma­chers ergeben. 

Der Titel ‘Eine Barke im Ozean’, der sich hin­ter dem Kla­vier­stück von Mau­rice Ravel ver­birgt, ist natür­lich durch die Hand­lung viel­sei­tig inter­pre­tier­bar, spielt viel­leicht aber auch auf einer wei­te­ren Ebene genau auf die wel­len­ar­tige Land­schaft an, die die Prot­ago­nis­ten in ihrem tra­gi­schen Gefüge sozu­sa­gen zu ver­schlin­gen droht.

Als wei­te­ren Spiel­film, der sich um die Musik von Mau­rice Ravel weit jen­seits des bekann­ten ‘Boléro’ dreht, kann ich übri­gens ‘Un cœur en hiver’ von Claude Sau­tet sehr emp­feh­len. Es ist viel­leicht sogar mein abso­lu­ter Lieb­lings­film, wenn ich mich denn auf einen ein­zi­gen fest­le­gen müsste …

Hier aber der andere Song, der in ‘Miro­irs No.3’ läuft und quasi in sei­ner Lebens­freude ‘die andere Seite der Medaille’ zur trau­ri­gen Hand­lung repräsentiert:

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Infos und Tourbeschreibung:

Diese Tour star­tet an der Bus­hal­te­stelle direkt am Markt­platz in Gers­walde, zunächst gibt es als ‘Pro­log’ am Rand des Ortes die kleine Runde um Schloss und Was­ser­burg­ruine herum zum Haus­see. Anschlie­ßend wird der Straße ‘Müh­len­kop­pel’, dann dem Neu­dor­fer Weg leicht berg­auf gefolgt zur Gers­wal­der Sied­lung. Dort wird dem mar­kier­ten Wan­der­weg fol­gend an einem gro­ßen Gehöft auf den Feld­weg abge­zweigt, der mit tol­lem Rund­um­blick durch die Hügel­land­schaft im wei­ten Bogen nach Her­ren­stein führt.

Nach einem kur­zen Abste­cher zum Schloss geht es um den Teich herum, dann auf dem dop­pel­ten Asphalt­strei­fen von Hecken flan­kiert immer wei­ter hin­auf zum höchs­ten Punkt mit Rast­hütte. Anschlie­ßend führt der Weg wie­der leicht hinab ins hüb­sche kleine Dorf Kron­horst, das nord­west­lich auf einem Wie­sen­weg ver­las­sen wird. Danach muss für etwa drei­hun­dert Meter die enge Land­straße genutzt wer­den, ein Aus­wei­chen außen am Feld­rand ist aber gut mög­lich. Gleich danach geht es noch ein­mal etwas ‘rus­ti­ka­ler’ am Feld­rand ent­lang, bevor ein natur­be­las­se­ner Forst­weg genutzt wird in der Nähe des aus­ge­trock­ne­ten Kuh­zer See­gra­bens bis nach Petznick.

Auf der Baum­al­lee führt der Weg aufs Schloss zu, über den Henk­in­s­hai­ner Weg geht es wei­ter zur zen­tra­len Bade­stelle am Petz­nick­see. Nun wird dem schö­nen Ufer­weg west­lich am See ent­lang gefolgt mit zwei wei­te­ren Zugän­gen zum Gewäs­ser, nach dem Ver­las­sen des Ufers geht es auf Höhe der Sied­lung Kreuz­krug mit meh­re­ren Rich­tungs­wech­seln im Wald zu einem brei­ten Forst­weg und auf die­sem süd­west­lich über einige Kilo­me­ter bis zum Forst­haus Laatz. Ab hier wird dem Mär­ki­schen Land­weg gefolgt über die B109 hin­weg und im Bogen zum Fähr­krug zwi­schen Bruch­see und Fährsee. 

Ab der Bruch­see­ab­lage ergibt sich der schönste Abschnitt der Tour pfad­ar­tig am Ufer des Bruch­sees und spä­ter des Temp­li­ner Sees ent­lang. Nach dem Pas­sie­ren des Gym­na­si­ums wird an der Jung­fern­quelle abge­bo­gen, die Prenz­lauer Allee wird über­quert und par­al­lel zur still­ge­leg­ten Bahn­trasse führt der Weg abschlie­ßend zum Ziel der Tour am Bahn­hof Templin-Stadt.