Die kalte Jahreszeit ist — hoffentlich — zur Zeit meines Schreibens gerade vorbei, dennoch möchte ich in diesem Monat das Werk ‘Winterliches Brandenburg’ von 2022 vorstellen, nachdem mich selbst und die Teilnehmenden meiner Gruppenwanderungen in den letzten Wochen ja witterungsgerechte Strecken sehr beschäftigten.
Blättert man das Buch durch, fällt zunächst sofort der sehr hohe Textanteil auf. Wie bei Autor Frank Goyke als versiertem Romanautor üblich stehen ausufernd opulente Beschreibungen stark im Vordergrund, allerdings hier eher in der Form von umfangreichen kulturhistorischen Fakten, vielfältigen adelsgeschichtlichen Verflechtungen und akribischen architektonischen Betrachtungen.
Die Detailtiefe grenzt dabei oft an heimatkundliche Versessenheit und es scheint fast, als habe Theodor Fontane selbst manchmal Feder geführt zu haben vom allgemeinen Stil und der Wortwahl her.
Dabei ist die Materie rund um die 25 vorgestellten Touren bestens recherchiert und mit vielen Quellen und Zitaten gespickt, was bei Orts- und Stadtrundgängen, die gut ein Drittel des Inhalts ausmachen, auch durchaus Sinn ergibt und aus meiner Sicht bestens zielgruppengerecht ist.
Bei den längeren empfohlenen Wanderungen durch die Natur ohne faktenreiche thematische ‘Metaebene’ sind allerdings die Beschreibungen der Wegverläufe sehr schnell quasi ‘zwischen den Zeilen’ abgehandelt. Das wäre nicht weiter tragisch, gäbe es GPX-Dateien zum Download oder zumindest gut aufgelöste Kartendarstellungen im Buch, was beides leider nicht der Fall ist.
Insgesamt wirkt der Ton oft sehr nüchtern akademisch und ich hätte mir mehr emotionale Eindrücke gewünscht, die die Motivation zum Nachwandern intensiver antreiben.
Auf jeden Fall merkt man Goyke, selbst versierter Wanderführer für die Naturfreunde, deutlich an, dass er sich bestens in Brandenburg auskennt und eben auch in seinen Tipps einige heimliche Preziosen statt der hinlänglich beworbenen Hotspots unterbringt.
Für mich sind das zum Beispiel der empfehlenswerte Annenpfad in der Prignitz, der weniger bekannte Moorlehrpfad um Raddusch oder auch die schöne kleine Runde um die Reckahner Fischteiche.
Neben den üblichen Verdächtigen bei den kürzeren Orts- und Stadtspaziergängen(Potsdam, Ferch/Petzow, Chorin, Blankensee/Glau, Bad Freienwalde, Buckow) haben mich Wittstock, Nennhausen und Treuenbrietzen als Besuchsziele in der Liste positiv überrascht.
Prima gefallen hat mir ebenfalls, dass der Autor sich das Winterthema nicht nur vordergründig als gemeinsame Basis der präsentierten Strecken ausgesucht hat, sondern die Auswahl offensichtlich gezielt selektiert nach der Tauglichkeit für die kalte Jahreszeit erfolgte. Die abgebildeten Fotos passen saisonal bestens, wenn auch deren fotografische Qualität stark schwankt.
Unterm Strich handelt es sich aus meiner Sicht bei dem Werk eher um ein ‘heimatkundliches Streifzuglesebuch’ als um einen Wanderführer, was aber überhaupt nicht negativ zu verstehen ist. Für mich haben sich beim Lesen viele Querverweise neu ergeben und wissenswerte Dinge aus den Regionen der vorgestellten Touren haben sich in meinem Brandenburgwissen manifestiert. Ich kann mir ‘Winterliches Brandenburg’ aufgrund des saisonalen Bezugs übrigens sehr gut als Weihnachtsgeschenk für Wanderbegeisterte in der Region vorstellen …
Hinterlasse einen Kommentar