… am heutigen verhalten sonnigen, kalten Tag mit wieder etwas frisch gefallenem Schnee absolvierte ich diese kürzere Tour, die schon lange eher als ‘Lückenfüller’ geplant war. Meine Wanderung zwischen Wünsdorf-Waldstadt und Zossen östlich der Bahnstrecke rund um die ‘Verbotene Stadt’ vor vielen Jahren hatte mich schwer beeindruckt, sie war aber auch eher sehr siedlungsnah meist auf dem Koschewoi-Ring und angelehnt an den historischen Rundweg verlaufen.
Diesmal sollte es eine sehr naturnahe Strecke sein und ich versuchte, die Route möglichst durch Gegenden des angrenzenden ehemaligen Truppenübungsplatzes zu führen, die ich noch nicht kannte. Alle Wege aus dem Kartenmaterial klappten auch vor Ort sehr gut, was ich absolut nicht erwartet hatte. Auf einigen Abschnitten war ich tatsächlich die erste Person, die den noch unberührten bis zu fünf Zentimeter hohen Pulverschnee durchstapfte. Die komplette Umrundung des Alwinsees musste ich aus Timinggründen weglassen, außerdem kürzte ich vor Zossen etwas ab und nutze so länger als geplant die monotone alleeartige Piste der Alten Töpchiner Landstraße.
Ansonsten eine tolle Entdeckung für mich, die ich erst jetzt in Angriff nahm, da vor zehn Jahren noch viele Teile des Waldes mit strengem Betretungsverbot belegt waren (rote Kennzeichnung = höchste Gefahrenstufe der Munitionsbelastung). Der jetzige Besitzer, ein Tochterunternehmen der Kronospan Holdings Ltd. (weltgrößter Hersteller von Spanplatten), hat überall neue Schilder aufgehangen, die das Betreten nun auf eigene Gefahr erlauben.
Highlights der Tour heute abgesehen von viel Kiefernwald in allen Variation der indische(!!!) Soldatenfriedhof aus dem Ersten Weltkrieg und die am Fuß der Weinberge gelegene Kolonistensiedlung, die ich noch nicht kannte.
Mein eigentlicher Impuls war, die Tour genau jetzt im Gemeindegebiet von Zossen zu machen, um vor Ort die Stimmung einzufangen: Anfang der Woche war es medial ein großes Thema in Berlin/Brandenburg, dass Zossen als ‘Steueroase’ mit sehr geringen Gewerbesteuern zahlreiche Firmen angelockt hat, die deshalb dorthin ihren nominellen Sitz verlagerten. Weit mehr als 2.000(!) Firmen sind aktuell in der eher kleinen Gemeinde mit ihren gut 20.000 Einwohnern gemeldet, davon teilweise über 150(!) Firmen an derselben Adresse, oft in unscheinbaren Wohnhäusern. Nun wurde entschieden, dass Zossen dem Finanzamt alleine für 2018 und 2019 rückwirkend ca. 20 Millionen Euro an ‘fehlgeleiteten’ Einnahmen (da Firmensitze nur ‘virtuell’ dort) zurückzahlen muss. Und das ist sicher erst die Spitze des Eisbergs, der aktuelle Haushalt wurde sicherheitshalber sofort ‘eingefroren’ …
Die neuerliche deutschlandweite Enthüllungslawine losgetreten hatte das ZDF Magazin Royale und dazu auch gleich eine geniale entdeckenswerte Info-Website gebastelt: https://steueroasen.watch/
P.S.: auch in Schönefeld direkt am Flughafen BER gibt es verlockende Virtual Offices ;-)
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Infos und Tourbeschreibung:
Diese Tour startet am Bahnhof Wünsdorf-Waldstadt, entlang der Straße ‘Am Bahnhof’ geht es an Ruinen vorbei zur Berliner Allee, weiter dann auf der Gutstedtstraße durch Brachgelände zum Klärwerk. Dessen Areal wird auf einem Pfad im Wald zur Hälfte umrundet und diesem weitergefolgt, dann im Bogen abgezweigt zum Hauptweg, der am indischen Soldatenfriedhof vorbeiführt. Kurz vor Erreichen der Landstraße wird der Weg genutzt, der östlich parallel dazu bis hin zum kleinen Alwinsee führt. Am See ändert sich die Gehrichtung, nun geht es zweieinhalb Kilometer weit im dichten Wald über einige kleine Erhebungen hinweg zur breiten Alten Töpchiner Landstraße, die im Verlauf naturbelassener wird, die Kiesgrube im weiten Bogen umgeht und nach einiger Zeit wieder auf die baumbestandene Allee zurückführt.
Dieser wird nun schnurgerade gefolgt bis zu ihrem Ende an den dünenartigen Erhebungen, auf dem markierten Wanderweg geht es hinab an Pferdeweiden und Ackern entlang durch das hügelige Gelände zur Zossener Kolonistensiedlung, die nördlich auf der Straße ‘Weinberge’ durchquert wird bis hin zur Gerichtstraße. Über die Mittenwalder Straße und die Baruther Straße führt der Weg zum Markplatz, am Schulmuseum wird abgebogen in den Stadtpark hinein. Dier wird zur Brücke über den Nottekanal durchquert, durch die Wiesen geht es zur Bahnhofstraße und kurz danach ist das Ziel am Bahnhof Zossen erreicht.
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