… inmitten einer wahren ÖPNV-Odyssee (die Hinfahrt verlief schon mit heftiger Verspätung und die Rückfahrt dauerte statt 70 Minuten glatte drei Stunden!) habe ich heute als ‘Plan B’ diese Tour absolviert östlich des Scharmützelsees. Bei Fontane kann man in seinen ‘Wanderungen’ nachlesen, wie öde ihm bei seinem Besuch 1881 Bad Saarow erschien, das damals noch im Dornröschenschlaf schlummerte und erst Anfang des 20. Jahrhunderts zum beliebten Kurort erblühte, der damals wie heute seit der Wende der mondänste seiner Art in Brandenburg ist.
Fontanes Kutscher Moll formte beim Besuch der beiden gleich danach im am östlichen Ufer gelegenen Dorf den denkwürdigen Satz: ‘In Saarow is nichts, das kenn ich, und hier in Pieskow is gar nichts.’
In den ausgedehnten Wäldern östlich des Ortes war ich bisher noch nicht gewandert und die Gegend wollte ich diesmal erkunden. Zu meiner Überraschung funktionierte die Kombination aus diversen markierten Wanderwegabschnitten und meiner Eigenimprovisation sehr gut und ich konnte sämtliche Siedlungsgebiete meiden bis auf die kurze Querung von Pieskow am Ende zurück zum Bahnhof. Es ging zwar meist durch Kiefernwald, aber hier und da gab es auch etwas Auflockerung durch Freiflächen und kleine Laubbaumbestände. Das Gelände war deutlich hügeliger als erwartet, wobei die Flanke insgesamt nach Osten hin langsam ansteigt.
Die Tour erinnerte mich in ihrer ehrlich-unspektakulären Art insofern stark an die in der Stahnsdorfer Heide erst vor wenigen Tagen. Wer viel zusammenhängenden Wald in einer ruhigen Ecke sucht, ist hier ebenso bestens bedient. Die Promenade in Pieskow ist deutlich unaufgeregter als die in Bad Saarow, mit sehr schönem Schloss ‘Klein Sanssouci’ (Privatbesitz, leider von keiner Seite aus gut einzusehen) und der beeindruckenden Ferienhaussiedlung im skandinavischen Stil. Nicht zu vergessen natürlich die — leider nur wenigen — Uferzugänge mit Blick aufs ‘Märkische Meer’ …
Bleibt nun meine Antwort auf die eingangs im Titel gestellte Frage: In Pieskow ist aus meiner Sicht deutlich mehr als gar nichts, aus Wanderperspektive zumindest gute ‘märkische Hausmannskost’ und der Ort kann unter anderem mit ‘Udos Lindenberg’ aufwarten;-)
Und so lange der ÖPNV mitspielt, ist Pieskow normalerweise auch gut und schnell stündlich per RB/RE an Berlin angebunden.
—————
Infos und Tourbeschreibung:
Dies ist eine Rundtour, die am Bahnhof in Pieskow beginnt und endet. Zunächst wird der breiten Schotterpiste des Annenhofer Wegs gefolgt parallel zur aufgegebenen Bahntrasse in den Wald hinein. Kurz vor der namensgebenden Siedlung wird abgezweigt über die Felder und nach dem Richtungswechsel am Ende der Ackerflächen der Wald wieder betreten. Nach einem Kilometer in östlicher Richtung wird nun südlich abgebogen, die alte Bahntrasse überquert und dem Weg im hügeliger werdenden Gelände knapp zwei Kilometer weit gefolgt.
Etwas westlich versetzt geht es weiter um den Galgenberg herum und etwas naturbelassener zum südlichsten Punkt der Tour in der Nähe des Herzberger Sees, hier ändert sich noch einmal die Wanderrichtung, nun nach Nordwesten hin im dichten Wald. Auf Höhe von Diensdorf-Radlow wird erneut eine größere Freifläche gequert, es schließt sich ein uriger Waldabschnitt mit vielen efeubewachsenen Bäumen an in Richtung Nordwesten, bevor der Weg leicht sandig in einem Mix aus Freiflächen und bewaldeten Arealen im Bogen hinab nach Pieskow führt.
Auf dem Uferpromenadenweg wird die Ferienhaussiedlung Theresienhof passiert und es geht um das Schloss ‘Klein Sanssouci’ herum zur offiziellen öffentlichen Badestelle, abschließend über die Dorfstraße und die Bahnhofstraße zurück zum Ausgangspunkt am Bahnhof Pieskow.
Hinterlasse einen Kommentar