… am heu­ti­gen Tag habe ich mir end­lich ein­mal den neuen Aus­sichts­turm im pol­ni­schen Słu­bice ange­schaut, der nach sehr lan­ger Zeit des Ver­har­rens im Roh­bau nun seit etwa zwei­ein­halb Mona­ten eröff­net ist. Ver­packt hatte ich den Besuch in eine kür­zere rela­tiv natur­nahe Route, die bis auf einen kur­zen 100-Meter-Abschnitt ‘quer durch die Bota­nik’ erstaun­lich gut funktionierte.

Ich war äußerst posi­tiv über­rascht vom neuen ‘Słu­bice-Turm’, der in der Nähe des alten, am Ende des Zwei­ten Welt­kriegs zer­stör­ten Kleist­turms errich­tet wurde. Der 30 Meter hohe aktu­elle Aus­sichts­turm wurde mit einem Auf­zug(!) aus­ge­stat­tet, auf 25 Metern Höhe gibt es einen wind­ge­schütz­ten Auf­ent­halts­raum mit Glas­wän­den und einen Außen­gang im Freien drum­herum, fünf Meter höher dann die eigent­li­che Platt­form mit zahl­rei­chen Sitz­scha­len und einem Fern­rohr. Die Nut­zung ist — trotz instal­lier­ter Kas­sen­an­lage — momen­tan offi­zi­ell noch kos­ten­los, die Frage ist wie lange noch …

Lei­der war ich von der tat­säch­li­chen Aus­sicht aber etwas ent­täuscht, in Rich­tung der ‘Sky­line’ von Frank­furt ist sie zumin­dest halb­wegs spek­ta­ku­lär, die Oder sieht man dabei aber nicht.

Das Wäld­chen um den Turm ist recht schön, dem einst­mals wohl herr­li­chen Park­areal im Tal mit den Tei­chen in der Nähe des Polen­markts merkt man die Patina aber deut­lich an und auch die Ver­mül­lung — wie lei­der ent­lang der gesam­ten Stre­cke auf pol­ni­scher Seite — kann man kaum ignorieren.

Nach dem Pas­sie­ren der nicht unbe­dingt sehens­wer­ten Trüm­mer­land­schaft des ehe­ma­li­gen Bis­marck­turms habe ich süd­öst­lich der Eisen­bahn­stre­cke etwas natur­nah impro­vi­siert. Das klappte auch bis auf das erwähnte sehr kur­zes Stück sehr gut. Spe­zi­ell der Mix aus Bli­cken auf die Oder von bei­den Län­der­sei­ten aus ergab den eigent­li­chen Reiz der Tour. Auf pol­ni­scher Seite stand ich auf der ein­zi­gen von mir dort besuch­ten der neu ange­leg­ten Buh­nen gefühlt in der Fluss­mitte, ein tol­les Erlebnis.

Sicher­lich eine inter­es­sante kleine Tour, die sich gerade jetzt lohnt, da aktu­ell die Busse vom Frank­fur­ter Bahn­hof nach Słu­bice im Test­be­trieb werk­tags halb­stünd­lich ver­keh­ren und den ‘Bazar’ / die ‘Spor­towa’ eben­falls anfahren.

Bei die­ser Wan­de­rung musste ich wie­der an den gran­dio­sen Film ‘Lich­ter’ den­ken, der im Jahr 2003 spielt und von per­sön­li­chen All­tags­ge­schich­ten rund um die — damals noch durch die EU-Grenze getrenn­ten — Orte Frank­furt und Słu­bice han­delt als Mix aus Melo­dram und Sozi­al­rea­lis­mus. Die Oder immer dabei im Mit­tel­punkt als unüber­wind­ba­res Hin­der­nis und Schick­sals­ge­ber. Ganz gro­ßes sub­ti­les Kino, unbe­dingt sehenswert!

Den Sound­track steu­erte damals die Band The Notwist bei, hier das atmo­sphä­ri­sche Stück ‘Lich­ter’ im Console-Remix:

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Infos und Tourbeschreibung:

Diese Tour star­tet an der Bus­hal­te­stelle ‘Spor­towa’ in Słu­bice, zunächst geht es hin­ein ins Sport­ge­lände und an dem läng­li­chen Gewäs­ser ent­lang zur Straße ‘Spor­towa’, dann die­ser fol­gend am Hang hin­auf. Spä­ter wird in das angren­zende Wald­ge­biet abge­zweigt und in zwei Ser­pen­ti­nen führt der Weg hin­auf zum höchs­ten Punkt mit der Ruine des alten Kleist­turms. Gleich danach wird im Wald der Neu­bau des impo­san­ten ‘Słu­bice-Turms’ erreicht, nach dem Besuch geht es süd­lich im Wald in Rich­tung der Land­straße ‘Kuno­wi­cka’, kurz vor deren Errei­chen wird west­lich abge­bo­gen und im gro­ßen Bogen führt der Weg um den Fried­hof herum zurück zur ‘Spor­towa’.

Nun wird dem Pfad an den Tei­chen ent­lang gefolgt zur ‘1 Maja’, an einem wei­te­ren Teich vor­bei geht es zur ‘Pow­stańców Wiel­ko­pol­skich’ und auf die­ser süd­lich bis zum Beginn des Natur­re­ser­vats. Der Straße wird wei­ter gefolgt hin­auf zur Bahn­un­ter­füh­rung, auf dem Schot­ter­weg geht es im Wald anschlie­ßend an den Res­ten des Bis­marck­turms vor­bei, bei ers­ter Gele­gen­heit wird abge­zweigt auf einen natur­be­las­se­nen Weg, der spä­ter im Ver­lauf an einer Rodungs­stelle endet. Von hier sind es etwa 100 Meter hinab im Unter­holz zum wie­der vor­han­de­nen Wald­weg, der zu einer zwei­ten Bahn­un­ter­füh­rung hin genutzt wird.

Nun führt der Weg natur­be­las­sen durch den dich­ten Bruch­wald zum Ufer der Oder, gut ein­ein­halb Kilo­me­ter weit geht es auf dem holp­ri­gen Wie­sen­weg am Wald­rand ent­lang bis zum Beginn der Pol­der­auen. Ab hier führt der Weg durch die weite Wie­sen­land­schaft in Ufer­nähe und um den klei­nen Hafen herum zurück zur ‘1 Maja’. Ent­lang des Pro­me­na­den­wegs wird die Grenz­brü­cke erreicht und die Oder über­quert, nun führt der Weg auf deut­scher Seite am Ufer ent­lang auf befes­tig­ten Spa­zier­we­gen zur Insel Zie­gen­wer­der, die über die geschwun­gene Holz­brü­cke betre­ten wird. Ufer­nah und natur­be­las­sen geht es zum süd­li­chen Ende der Insel, über die dor­tige Brü­cke und den Herr­mann-Wein­gärt­ner-Weg wird der Anger-Park erreicht und nach Nor­den hin durch­quert. Über die Lin­den­straße und die Fer­di­nand­straße, abschlie­ßend die Wohn­sied­lung Pau­li­nen­hof durch­que­rend wird das Ziel am Bahn­hof Frank­furt erreicht.