In diesem Monat möchte ich erneut ein relativ neues Buch aus dem Jahr 2023 vorstellen, das sich konzentriert nur mit einem Teil von Brandenburg beschäftigt und diesen dafür umso mehr würdigt. Hier geht es um den Westen des Bundeslandes, der die Gebiete der Prignitz, des Havellandes und des Hohen Flämings umfasst.
Hält man das Werk mit seinen 240 Seiten in der Hand, merkt man gleich, dass es sich nicht um den gewöhnlichen kompakten und knappen Streckenführer für Jackentasche oder Rucksack handelt. Vielmehr wurde von den Hauptautoren Dirk Reuber und Rahel Straubel sowie zwei Gastautoren sehr viel mehr ins Detail gegangen und sie haben einen besonderen Fokus gesetzt: jedes Kapitel dreht sich um einzelne Menschen, die als Sinnbild für die betrachteten Orte stehen.
Oft sind dies Zugereiste, die die Landflucht wählten, um die viel gepriesene Entschleunigung abseits der Stadt gezielt zu suchen. In anderen Fällen wie etwa dem bekannten und beliebten Gasthof Moritz sind es die Einheimischen, die es mit viel Fleiß, neuen Ideen und gelebter Gastfreundschaft erreichten, dass ihr ehrwürdiger alter Hof mit integrierter Bibliothek zu einem der touristischen Highlights im Naturpark Hoher Fläming wurde.
Biographien stehen hier im Mittelpunkt der wunderbar optimistisch erzählten kleinen Geschichten, die jeweils stellvertretend für das sesshafte Ankommen bzw. das entschlossene Bleiben in den dünn besiedelten Gegenden stehen. Individuelle Lebensträume wurden verwirklicht, Verwurzelungen geschaffen und kreative Freiräume gefunden.
Die facettenreiche Auswahl beinhaltet geographisch etwa die Eckpunkte Rambower Moor, Lindow im Ruppiner Seenland, Liebenberg im Löwenberger Land und die Gegend des Hohen Flämings um das Schloss Wiesenburg. Die weiteren Beschreibungen beziehen sich auf Orte im ausgedehnten Bereich dazwischen meist westlich der Havel.
Jede Einzelgeschichte wird begleitet von der Empfehlung einer kurzen Wanderung, die allerdings in diesem Kontext eher Spaziergang-Charakter aufweist, wobei die Erreichbarkeit per ÖPNV nicht unbedingt Priorität hat. Ebenso verhält es sich mit den Radtouren, die typischerweise kurz ausfallen und kaum die 50km-Marke übersteigen. Einen Download von GPX-Dateien gibt es nicht, dafür sind die seitenfüllenden und auf OpenStreetMap basierenden abgedruckten Kartenausschnitte und die Streckenbeschreibungen im Text aber ausreichend gut.
Am Ende jedes Kapitels befindet sich eine Art ‘Steckbrief’ mit weiteren Informationen zu interessanten Exkursen rund um den gerade betrachteten Ort und Kontaktadressen zu Kunst und Kultur sowie Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten sind aufgelistet.
Was mir besonders gefiel sind die hervorragenden Detailfotos, die die generell positive Grundstimmung bestens transportieren und verstärken.
Somit ergibt sich unterm Strich ein Buch, das für ambitionierte Radfahrer und Wanderer eher als attraktiver ‘Appetitanreger’ für selbst zu ergänzende Touren zu verstehen ist. Vielmehr handelt es sich für mich in erster Linie um ein kurzweiliges und interessantes ‘Lesebuch’, das dazu dient, Land und Leute kennenzulernen und zu verstehen und in die betreffenden Gegenden gedanklich einzutauchen, um den Wunsch entstehen zu lassen, sie selbst zu besuchen.
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